Der fehlende Ton.
Man stelle sich ein Lied vor, ein Lied, das viele Töne
hat. Das Lied ist wunderschön, weil jeder dieser Töne
da ist und seinen ganz eigenen Beitrag zur Melodie
leistet. Es gibt hohe und schrille Töne und es gibt
tiefe, ruhige und gedämpfte Töne. Manche Töne sind
ganz kurz, andere dagegen lang und es gibt auch
noch welche, die sind dazwischen – mittellang.
Aber zurück zu unserem Lied. Plötzlich passiert etwas
Unerwartetes: Jemand lässt einen einzigen Ton heraus-
fallen und augenblicklich klingt die komplette Melodie
anders. Es fehlt ein Ton, dieser bestimmte Ton!
Und die anderen Töne, die auf ein Zusammenspiel mit
ihm, dem fehlenden Ton abgestimmt sind, müssen
sich nun an eine leere Stelle in der Notenzeile gewöh-
nen. Immer wieder, lange Zeit wird das Lied dann ohne
diesen bestimmten Ton gespielt. Es gibt auch keinen
Ersatz für diesen Ton, denn man kann einen Ton nicht
einfach so ersetzen. An seiner Stelle steht einfach nichts.
Den anderen Tönen gefällt das nicht. Sie finden es selt-
sam, dass dieser Platz von nun an ganz leer sein soll,
und so entscheiden sie sich, dem verlorenen Ton ein
Denkmal zu setzen. Sie setzen ein Pausenzeichen an
seine Stelle, um zu erinnern, dass an dieser Stelle
einmal ein ganz besonderer Ton saß.
Nach einer langen Zeit wird auch dieses Lied zu einem
gern gehörten Lied. Es ist anders als das Lied vorher,
aber als man sich nach einiger Zeit mit der ungewohn-
ten Pause ein wenig vertraut gemacht hat, klingt die
Melodie des Liedes wieder schön, mit der Pause,
wunderschön - aber eben ganz anders!
Liebe Petra,
einen Menschen gehen zu lassen, den man liebt, ist
unsagbar schwer. Leider musstest du das schon bei
Werner, deiner Mama und nun auch deinem Papa er-
leben. Irdisch haben deine Liebsten ein große Lücke
hinterlassen, jedoch in deinem Herzen einen ganz
besonderen Platz eingenommen.
Jedes Wort, jede Umarmung, jeder stille Händedruck
und jede liebvolle Erinnerung soll dir in dieser
schweren Zeit ein Trost sein.
Unsere aufrichtige Anteilnahme.